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Streetart und Werbung

Streetart und Werbung in einem Atemzug zu nennen ist längst nichts neues mehr. Die Aneignung eines jungen und subversiven Images gehört zum Alltagsgeschäft vieler Unternehmen (siehe z.B. hier oder Julia Reineckes Streetart-Buch mit dem Untertitel Eine Subkultur zwischen Kunst und Kommerz). Das obige Bild zeigt eine Stencil-Variante (Stencils sind Sprühschablonen) des Münchener Car-Sharing-Anbieter DriveNow. Dabei wird die Schablone an eine verschmutzte Wand angebracht und mittels eines Sandstrahlers die oberste Schicht abgetragen, was einen Negativabdruck hinerlässt. Insgesamt finde ich den Effekt allerdings nicht sehr schön, auffallen tut es natürlich trotzdem. Die Frage jedoch, ob ein Unternehmen dieser Art wirklich diesen pseudo-subversiven Touch braucht, möchte ich an dieser Stelle nicht ausführlich erläutern. Fakt ist jedoch, dass diese Art der „Aneignung“ eines Images in 99 % der Fällen schief geht und zu mehr Unglaubwürdigkeit führt, als das es einen positiven Effekt erzielt.
Auch die unten gezeigte Gauloises-Werbung fällt bei mir daher durch. Das von dem Mann auf dem Plakat angebrachte „Graffiti“ oder wie man das auch bezeichnen mag, wirkt eher peinlich, als ernstzunehmen.

peinlich: giro-sucht-hero.de

Die beiden Fernsehmoderatoren Joachim Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, bekannt als Joko & Klaas und die neue Sparkassen-Werbung girosuchthero.de. Ich weiß einfach nicht, was ich sagen soll. Ob der BWL-Look, in dem die beiden abgelichtet wurden, in Kombination mit der gewählten „witzigen“ Perspektive von oben den durchschnittlichen, potentiellen Sparkassen-Kunden ansprechen sollen? Die Werbung gehört eindeutig in die Kategorie Ergo-Bubi.
Gestalterisch schön ist das Plakat ja, bekommt aber nur drei Punkte, weil es zu überladen wirkt. Für die Idee vergebe ich einen armseligen Punkt.

 

Die mit dem roten Stuhl

Bei der Werbung für die XXXL-Möbelhäuser handelt es sich um einen meiner Favouriten in Sachen schief gelaufener Werbung, die aus Polysemie, also der Tatsache, dass ein Wort mehrere Bedeutungen hat, ensteht. Beim Slogan „Die mit dem roten Stuhl“ fällt mir nur eine Sache ein: Wenn ich roten Stuhl hätte, würde ich zum Arzt gehen. Seit sie bei einer Werbeaktion kleine rote Stühle verteilt haben, auf die kleine Zettel mit einem Gewinncode gedruckt waren, hat sich diese Assoziation tief in mein Gehirn gebrannt. Damals überreichte mir eine junge Dame einen solchen Stuhl mit den Worten: „Möchten Sie einen roten Stuhl, da ist ein Gewinncode drauf.“ Igitt!

Porentief rein?

Nein, es handelt sich hierbei nicht um eine verstopfte Schlumpf-Pore, die mit „millionen Kunden“ angefüllt ist und nein, das ist keine Clearasil-Werbung. Das blaue Etwas auf dem HypoVereinsbank-Plakat soll vermutlich zwei Puzzlestücke darstellen.
Für die langweilige und auf den ersten Blick nicht zu entschlüsselnde Gestaltung erhält die Werbung einen Stern, für die Idee ebenfalls. Übrigens: Betrachtet man das Plakat von etwas weiter weg, dann sieht es aus wie ein grummliges Gesicht mit nur einer Augenbraue.

Sahne zum Kochen

Verstehe die Menschen, die sich bei Weihenstephan „Sahne zum Kochen“ ausgedacht haben wer will. Grundsätzlich habe ich mich schon immer gefragt, wer Milchprodukte haben will, die blau (oder noch besser lila, wie Rama Cremefine) aufgemacht sind. Aber vielleicht lenkt das davon ab, wo das Produkt her komm und ist so gewollt. Als ich den Kunden vor mir gefragt habe, was denn „Sahne zum Kochen“ sei und laut nachgedacht habe, ob es auch noch andere Sahne gäbe, waren die Kunden am Band gleich in ein Gespräch verwickelt, dessen Conclusio nicht positiv ausfiel. Immerhin fiel mir dann doch noch Kaffeesahne ein.
Vielleicht gibt es ja bald „Zigaretten zum Rauchen“ und ganz neu „Cola zum Trinken“. Für die „Idee“ bekommt die Weihenstephan „Sahne zum Kochen“ von mir einen mageren Punkt, für die Gestaltung drei. Das mit dem Blau verstehe ich nicht, aber andere mögen da anders denken … Ansonsten ist die Packung ja sehr hübsch.

Wortspiel auf Teufel komm raus

„Ein sehvolutionäres Display“, verspricht uns das iPhone 4. Immerhin versteht man noch, was damit gemeint sein soll. Dennoch halte ich derart weit her geholte Neologismen, wie sie in der Werbung häufig zu beobachten sind, für einfach nur peinlich.
Gegen die Gestaltung des Plakats lässt sich wenig sagen, sie ist äußerst schlicht, dafür aber auch nicht hässlich.

die ergo-versicherung und der ergo-bubi

Also die Ergo und ihre Werbung verstehe ich nicht. Wie kommt jemand ernsthaft auf die Idee, dass sich Versicherungs-Normalverbraucher mit einem reichen, auf einem Weinberg Urlaub machenden Yuppie identifiziert, der obendrein noch so — entschuldigt die Ausdrucksweise — dümmlich dargestellt wird!?
Auch wenn mir die runden Formen nicht ganz gefallen, wirkt wenigstens das Design professionell, daher vergebe ich vier von fünf Sternen, die Konzeption der Werbung geht aber erstens vollkommen am Endkunden vorbei und bietet mit dem Ergo-Bubi (das meine ich nicht persönlich, sondern bezogen auf die fiktive, inszenierte Person) zweitens nichteinmal annähernd eine Identifikationsfigur (eher das Gegenteil). Daher einen Punkt für die Idee.

Schlecker geht neue Wege

Neuer Schriftzug und neues Logo bei der Drogeriemarktkette Schlecker

Die Drogeriemarktkette Schlecker geht mit einem neuen Logo, einer neuer Schrift und einem neuen Slogan sonderbare Wege. Das Logo (im Bild links unten, leider schlecht zu erkennen) finde ich gelungen. Leider passt das neue Schriftbild nicht zum alten (vergleiche die Schrift unten mit der oben) und den Slogan „for you. vor ort.“ einfach nur peinlich. Und das auch, wenn man von der Tatsache absieht, dass man das deutsche „vor“ anders ausspricht als das englische „for“.